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Wieso ist Kunst so teuer?

Eine Freundin hat mir einmal die Titelfrage in Bezug zu ihren Textilkreationen gestellt. Sie näht und strickt, und ärgerte sich damals, dass Künstler eine viel bessere Rendite erzielen können als Handwerkskünstler. Handgefertigte Gegenstände werden oft unter Wert verkauft und reflektieren meist nicht die Produktionszeit. Ganz zu schweigen von den Kosten für den Erwerb von Fertigkeiten, Materialien und Werkzeugen. Damals hatte ich auf ihre Frage keine Antwort.

Infolgedessen schien ihre Verstimmung mehr als gerechtfertigt. Das ist sie immer noch, aber jetzt, zweieinhalb Jahre später, denke ich, dass ich endlich einige Ideen zum Thema habe.

Finde die richtige Zielgruppe:

Ich denke, dass es entscheidend ist, das richtige Publikum für die eigenen Kreationen zu finden. Ein Künstler, der über 1000 Dollar für ein Gemälde verlangt, muss die Person finden, die bereit ist, diesen Preis zu zahlen. Aber was hält jemanden davon ab, seine handgemachte Steppdecke zum gleichen Preis oder höher zu verkaufen? Nichts. Leider sind die Chancen groß, dass man den geeigneten Kunden nicht finden werden. Im Gegensatz dazu ist der Kunstmarkt ein seit Jahrhunderten etablierter Luxusgütermarkt, den der Handwerkshandel noch nicht hat einrichten können. In der heutigen Zeit, in der Maschinen die Produktion vieler Gegenstände übernommen haben, ist es sogar schwierig, traditionell handgefertigte Gegenstände zu einem Mindestlohn für den Handarbeiter zu vermarkten.

Die richtige Zielgruppe schätzt Sie:

Ich glaube, dass das erwähnte Problem mit einem Trend zusammenhängt, Dinge zu kaufen die nicht viel kosten und die nach einigen Monaten weggeworfen werden. Wir sind es mittlerweile gewohnt nach zwei Jahren Elektronik oder Kleidung weg zuwerfen, oder wegwerfen zu müssen. Wenn man zum Beispiel eine Bettdecke braucht, werden viele Leute einfach eine online bestellen oder IKEA besuchen. Es ist keine Liebe für den Gegenstand vorhanden, nur spontane Notwendigkeit. In meinen Augen ist dieses Verhalten nicht nachhaltig, aber es spielt eine Rolle wenn es ums Verkaufen geht. Umgekehrt heißt das allerdings auch, dass Menschen bereit sind mehr für Dinge auszugeben die sie lieben.

Liebe für das Handwerk ist oft ein nicht anerkannter Faktor in der Kunst. Wenn ein Künstler fühlt, dass Sie eines seiner Werke wirklich lieben, ist er/sie oftmals bereit sich davon zu trennen, auch wenn Sie sich den Ursprungspreis nicht leisten können. Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass der Preis eines Kunstwerks in Stein gemeißelt ist. Allerdings – merkt ein Künstler, dass Sie sich das Werk leisten können, ihnen aber nicht viel dran liegt und Sie nur weniger bezahlen wollen, dann ist es unwahrscheinlich, dass Sie diesen Rabatt erhalten.

Kunst ist selten überteuert:

Und das bringt mich zu meinem letzten Punkt. Meistens ist Kunst nicht überteuert:

  1. Die Bilder des Künstlers berücksichtigen oft ihre Ausbildung und ihr Können. Der Künstler hat eine Ausbildung in Kunst und niemand würde erwarten, dass jemand mit einem Ingenieursabschluss nur den Mindestlohn verdient.
  2. Die Zeit der Herstellung eines einzelnen Werkes berücksichtigt nicht die Konzepterstellung, Skizzen oder die 100 anderen Gemälde, die den Schnitt nicht gemacht haben. Diese Zeit ist jedoch im Preis mit einbezogen.

Im umgangssprachlichen Gebrauch wird Kunst oft mit überteuert angesehen Bildern/Werken identifiziert. Das führt gerne dazu dass man denkt jede Art von Kunst sei zu teuer. Im kunsthistorischen Ansatz ist ein Werk auch nicht mehr nur ein Werk sobald der Künstler gestorben ist. Es ist nun zu einem historischen Artefakt geworden und ist außerhalb des normalen Kunstmarktes zu betrachten.

Dies sind nur ein paar Denkansätze zur Frage warum Kunst “so teuer” ist und das Thema ist hiermit auch noch nicht erschöpft.

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